Dürfen wir vorstellen? – Huminstoffe

Nachdem Sie in den vorangegangenen Artikeln bereits die Aminosäurenprodukte sowie Algenextrakte kennenlernen konnten, möchten wir Ihnen heute eine weitere Produktgruppe der Biostimulanzien näher bringen, die Huminstoffe. Sie sind Teil der organischen Substanz des Bodens und fördern nicht nur dessen Beschaffenheit sondern können auch die Pflanze direkt beeinflussen.

Was sind Huminstoffe?

Die Huminstoffe sind Bestandteile des Humus und werden durch den Prozess der Humifizierung aus der zersetzten organischen Substanz des Bodens aufgebaut. Entsprechend ihrer Löslichkeit in Säure und Lauge werden die Huminstoffe in drei Gruppen unterteilt, die Humine, die Huminsäuren und die Fulvosäuren. Ihre Eigenschaften sind in Abbildung 1 dargestellt. Im Gegensatz zu den Huminen sind die Humin- und Fulvosäuren in Wasser und Laugen löslich und finden sich deshalb auch überwiegend in den Biostimulanzien wieder. Huminstoffe sind heterogene, komplexe Strukturen. Man sagt, keine gleicht der anderen. Entsprechend vielfältig sind die Zusammensetzungen der Produkte und ihre biostimulierende Wirkung.

Abbildung 1: Eigenschaften der Huminstoffe (verändert nach Stevenson, 1982).

Herkunft und Verarbeitung

Huminstoffe können aus organischen Böden, Kohle, Torf, Kompost, Dung, Gewässern und vielem mehr extrahiert werden. Eine besonders wichtige Quelle der Huminstoffe ist Leonardit. Eine Kohle-ähnliche Substanz, die aber den Status der Kohle noch nicht erreicht hat. Leonardit enthält eine besonders hohe Konzentration an Huminstoffen, die außerdem auch besonders biologisch wirksam sind. Aus diesem Grund werden die Produkte, die aus Leonardit gewonnene Humin- und Fulvosäuren enthalten als qualitativ hochwertiger angesehen. Für die Extraktion wird das Leonardit zunächst gemahlen. Als streufähiges Granulat weiterverarbeitet, stellt dieses Pulver bereits ein Endprodukt dar. Die Humin- und Fulvosäuren müssen dann aber erst noch nach der Ausbringung im Boden freigesetzt werden. Ein Prozess, der etwas Zeit braucht. Deshalb eignet sich diese Art der Produkte besonders für eine langfristige Bodenverbesserung.

Für eine schnellere und intensivere Wirksamkeit wird das gemahlene Leonardit weiter aufbereitet. Die Humin- und Fulvosäuren werden mithilfe von Laugen von den schwer löslichen Huminen getrennt. Anschließend lassen sich auch noch die Gehalte der Humin- und Fulvosäuren im Extrakt beeinflussen, sodass man Produkte mit unterschiedlichen Zusammensetzungen anbieten kann.

Humin- und Fulvosäuren, die aus dem Grundwasser gefiltert werden, eignen sich besonders für die Blattanwendung. In den Filtraten sind überwiegend mobile Fulvosäuren enthalten, die mit dem Sickerwasser aus dem Boden in das Grundwasser gewaschen wurden. Die Produkte, die aus den Filtraten hergestellt werden, sind sehr wirksam und sollten gering dosiert werden.

Wirkung und Verwendung

Huminstoffe haben eine sehr hohe Kationenaustauschkapazität, wodurch der pflanzenverfügbare Nährstoffvorrat des Bodens vorteilhaft beeinflusst wird. Beispielsweise wird die Bindung von Phosphor mit den Kationen Kalzium, Eisen, Aluminium oder Magnesium reduziert. Das Phosphor bleibt dadurch in der freien und für die Pflanzen verfügbaren Form. Durch die Komplexierung der Nährstoffe, kann ihre Aufnahme durch die Pflanze erhöht werden, vor allem die Verfügbarkeit der Metallionen wie Eisen und Zink wird verbessert.

Huminstoffe gleichen den pH-Wert aus, auf sauren und alkalischen Böden. Sie verbessern die Bodenstruktur, steigern die Wasserhaltefähigkeit und die Durchlüftung. Um diese Effekte durch die Applikation von Huminstoff-Produkten zu erreichen, müssen allerdings große Mengen verabreicht werden und es braucht Zeit. Kurzfristigere Effekte kann man mit einer lokalen Applikation erzielen, zum Beispiel in das Saatband, denn so erreicht man mit kleineren Mengen eine verhältnismäßig höhere Anreicherung der organischen Substanz im Boden.

Durch die positiven Effekte auf die Struktur und Nährstoffzusammensetzung des Bodens wird der Lebensraum der Pflanze und auch erwünschter Mikroorganismen optimiert. So wird das Wurzelwachstum und die Nährstoffaufnahme indirekt gefördert. Es können aber auch direkte Effekte auf die Pflanzen nach der Gabe von Huminstoffen festgestellt werden, besonders nach Blattanwendungen. Die Fulvosäuren weisen eine hormonartige Wirkung auf und fördern das Wachstum. Die pflanzlichen Enzyme werden ebenfalls stimuliert und deren Produktivität steigt. Aus diesem Grund wird der gesamte Organismus der Pflanze unterstützt und auch die natürliche Abwehrkraft der Pflanze gegenüber biotischem und abiotischem Stress wird erhöht.

Wie alle Biostimulanzien sind die Huminstoffe echte Allrounder. Ebenso zahlreich wie die Produkte sind ihre Effekte. Gerade das macht es aber auch so schwierig, geradezu unmöglich, eine bestimmte, immer gleiche Wirkung im Feld darzustellen. Sie sind von zu vielen Faktoren abhängig, wie Bodenart, -ph und -bearbeitung, aber auch vom Klima, der angebauten Kultur und Art der Anwendung (Boden-, Blatt-, oder Saatgutbehandlung). Im Vorwege sollte man sich als informieren, oder beraten lassen, welches Produkt und welche Anwendung am sinnvollsten ist. Richtig angewandt, können die Huminstoffe der Standort verbessern, das Pflanzenwachstum stimulieren und die Qualität der Ernteprodukte steigern.