Die Ausbringung von Mikrogranulatdüngern

Wir haben 100 Landwirte gefragt – und sie sind ganz unserer Meinung: Mikrogranulatdünger sind eine attraktive alternative Düngemethode, vor allem durch die sich weiter verschärfende Düngeverordnung. Im Zuge dieser Kundenumfrage erreichte uns jedoch häufig die Frage, wie die Mikrogranulatdünger in den verschiedenen Kulturen ausgebracht werden und welche technischen Möglichkeiten seitens der Landtechnik bereits vorhanden sind. Diese Fragen beantwortet Ihnen Rudolf Wild, Vertriebsberater von PLANTAN:

Die Düngeverordnung wird uns in den kommenden Jahren aller Voraussicht nach weitere Verschärfungen bringen, insbesondere in den roten Gebieten. Durch den Einsatz von Mikrodüngergranulaten können wir die Gesamtmenge an Stickstoff und/oder Phosphat um einiges nach unten bewegen. Wenn Sie als Beispiel 300 kg 20/20 zu Mais im Unterfußverfahren gedüngt haben, haben Sie jeweils 60 kg N und 60 kg P2O5 in Ihrer Düngebilanz. Mit 30 kg Mikrogranulatdünger kommen Sie hier mit einem Bruchteil aus. Je nachdem, wie Ihre persönliche Düngebilanz aussieht, können diese 40 bis 50 kg eingesparter Nährstoff sehr dazu beitragen, die (zukünftigen) gesetzlichen Vorgaben einzuhalten – und gleichzeitig das Ertragsniveau zu halten!

Das bietet die Landtechnik an Möglichkeiten für die Ausbringung an

Grundsätzlich sind zwei technische Möglichkeiten für die Ausbringung in Einzelkornsaat-Kulturen gegeben: Eine Möglichkeit ist ein an das jeweilige Einzelkornsägerät angepasster Mikrodüngeraufsatz, der entweder elektronisch über die Schlepperelektrik oder mechanisch über Antriebsräder angesteuert wird. Die Geräte sind ab einem Preisniveau von 2000,- € für 6-reihige Einzelkornsägeräte zu haben. Diese Technik wird meist direkt von den Herstellern der Sägeräte angeboten. Hier sollte die Kompatibilität auf jeden Fall gegeben sein. Zudem sind diese Geräte relativ günstig.
Die zweite Möglichkeit stellen unabhängige Mikrogranulatstreuer dar. Sie werden in der Regel durch die Schlepperelektrik (ISO-Bus) gesteuert. Die Geräte können im Prinzip an alle Anbaugeräte montiert werden und sind somit auch für andere Einsatzgebiete nutzbar. Zum Beispiel für die Einsaat von Zwischenfruchtmischungen direkt mit dem Bodenbearbeitungsgerät. Diese Aufbauten liegen meist zwischen 5.000 € und 7.000 €, sind also teurer als die Lösungen der Sätechnikhersteller. Zudem erfordern sie Anpassungsarbeiten an das jeweilige Grundgerät, sind aber dann vielseitig einsetzbar.
Für die Anwendung in Mais und Kartoffeln gibt es noch eine weitere Option: Für die Drahtwurmbekämpfung in Mais und Kartoffeln wurden von einigen Landwirten und Lohnunternehmern bereits Granulatstreuer gekauft und eingesetzt. Diese Geräte können natürlich auch für Mikrogranulatdünger verwendet werden.

    

Der Unterschied zwischen Unterfußdüngung und Mikrogranulatdüngung

Die Gabe einer Unterfußdüngung erfolgt in einem eigenen Düngerband mit einem Abstand von etwa 5 cm zur Seite und 5 cm nach unten zum Ablagehorizont des Saatkornes. Dieser Abstand wird eingehalten, um Schäden an den Keimwurzeln zu vermeiden. Durch die Unterfußdüngung werden auch größere Mengen an Dünger ausgebracht, je nach Dünger und Kultur meist zwischen 100 kg/ha und 300 kg/ha. Vor allem bei Harnstoffeinsatz in der Unterfußdüngung muss penibel auf den Abstand geachtet werden, denn hier sind bei zu geringem Abstand Wurzelschäden bis zum Totalausfall möglich.
Im Gegensatz dazu wird bei der Mikrogranulatdüngergabe das Granulat direkt in die Saatreihe abgelegt. Die eingesetzte Düngermenge ist wesentlich niedriger und liegt meist in einem Bereich von 20 bis 30 kg/ha. Die eingesetzten Granulate sind durch die geringe Menge und die Zusammensetzung der Nährstoffe nicht schädlich für die Keimwurzeln. Ganz im Gegenteil: hier hat die Wurzel bereits vom allerersten Moment an Nährstoffe direkt aus der Düngung zur Verfügung, während die Wurzel bei der Unterfußdüngung bereits etwa 7 cm bis zum Düngerband wachsen muss und dieses Düngerband sich auch nur auf einer Seite findet.
Damit beantwortet sich auch die häufig gestellte Frage, ob die geringen Nährstoffmengen eines Mikrogranulatdüngers überhaupt einen Effekt haben: Ja, aufgrund der sofortigen Verfügbarkeit und der nahezu 100 %igen Aufnahme.

Auch für Breitsaatkulturen gibt es eine technische Lösung

Sie könnten sich eine Anwendung auch gut in normal gedrillten Kulturen vorstellen? Ich auch! Denn die übliche Sätechnik bei Getreide und Raps ist vom Prinzip zwar keine Einzelkornsaat, aber es wird mit Säpfeifen in Reihen gedrillt. Auch hier kann also Mikrogranulat in die Saatreihe mit der entsprechenden Technik eingebracht werden. Es werden nur entsprechend mehr Schläuche gebraucht. Bei üblichen 12,5 cm Reihenabstand bei Getreide brauchen Sie also 24 Schläuche bei 3 m Arbeitsbreite, bei Mais bei 75 cm Reihenabstand dagegen nur vier Schläuche.

Darauf sollten Sie beim Kauf von Mikrogranulatdüngern achten

Hier sind zwei Punkte ganz entscheidend: Das Granulat muss möglichst staubfrei sein und es sollte sich nicht durch die Stöße während der Aussaat selbst verfestigen. Weniger ausschlaggebend ist die Form des Granulates. Wenn Sie zum Beispiel Kornkali und Kalkammonsalpeter vergleichen, sehen Sie sehr unterschiedliche Formen. Beides lässt sich aber gut streuen. Im Prinzip ist dies bei den Mikrogranulaten ähnlich. Die Form ist weniger entscheidend. Wichtig ist die Rieselfähigkeit, das heißt keine Selbstverfestigung durch Erschütterungen, um eine Brückenbildung des Granulates im Vorratsbehälter zu vermeiden.

Zu guter Letzt

Die technischen Möglichkeiten für den Einsatz von Mikrogranulatdüngern sind vorhanden; die politische Großwetterlage wird immer mehr auf eine deutliche Reduktion der Gesamtmenge an Stickstoff und Phosphat zusteuern. Es spricht daher vieles für den Einsatz von Mikrogranulatdüngern anstatt der üblichen Unterfußdüngung in Reihenkulturen. Mein Rat an Sie: Wenn Sie die Möglichkeit haben, setzen Sie Mikrogranulatdünger ein. Wie bei vielen anderen Innovationen in der Landwirtschaft müssen wir uns in der Praxis an das Thema erst herantasten, um das Optimum zu erreichen. Noch können wir dies freiwillig tun, in wenigen Jahren zwingt uns die Politik möglicherweise dazu. Unser Firmenmotto lautet: „Wachstum braucht Freiraum“. Also: Nutzen wir diesen!

Rudolf Wild - PLANTAN
Rudolf Wild, Vertriebsberater für die Region Bayern und Ihr Ansprechpartner vor Ort.